Ich glaub das hier ist die Antwort:
Die Grundeinstellung zum Hund, der Umgang mit dem Hund muss passen.
Danke!
Die Einstellung alleine ist es aber nicht. Der Hund ist ein sehr soziales Lebewesen. Lange alleine sein, im Zwinger eingesperrt sein usw. verkraften nur wenige Hunde wirklich gut. Daß so ein Hund dann einen Überschuß an Energie - an Mitteilungsbedürfnis, an Zuwendung usw. - hat, ist doch klar.
Ich denke, jeder Hund benötigt ein gewisses Maß an sozialer Zuwendung (und wenn der Wuff nur seinen Kopf beim Herrli auf den Fuß legen darf). Wenn er das über den Tag verteilt in kleinen Dosen immer wieder mal leben darf, dann ist sein "Sozialfaß" niemals so leer, wie das von einem Hund, der 8 Stunden alleine ist und mit dem dann eine Stunde rausgegangen werden MUSS. Der versucht dann alle seine Defizite in dieser einen Stunde auszugleichen. Was natürlich niemals funktionieren kann.
Wenn dann der Hundehalter ein schlechtes Gewissen bekommt, weil er seinem Hund zu wenig bietet, wird dieser sich gezwungen sehen, mehr an Aktivitäten mit seinem Hund zu machen, obwohl er das vielleicht gar nicht wirklich will. Die Folge: ein immer unzufriedener werdender und den Hund als Belastung empfindender Hundehalter steht einem immer mehr nach Sozialkontakt und Aktivität fordernden Hund gegenüber. Eine Situation, die irgendwann mal nimmer zusammen geht.
Dann beteibt man - natürlich macht man ALLES für den Hund, weil man doch vor seiner Umwelt als guter Hundehalter gelten will - Hundesport, geht in die Hundeschule. Was dort gelehrt wird, ist allerdings in den allerwenigsten Fällen ruhiges und ausgeglichenes Verhalten.
Man bekommt - wie folgend - solche Sätze zu hören (und kriegt dann natürlich gleich ein schlechtes Gewissen):
"Du mußt an Deiner Bindung zum Hund arbeiten!" Hört Ihr den Vorwurf in der Stimme des obergscheiten Trainers, der zwar in Wahrheit noch nicht mal die leiseste Ahnung davon hat, was Bindung wirklich bedeutet, aber vom noch ahnungsloseren Hundehalter als Gott in Oliv wahrgenommen wird? Und der betroffene Mensch fühlt sich natürlich gleich als schlechter Hundehalter, was wiederum zu einem weiteren Knacks in der Mensch-Hundebeziehung führt.
Oder wenn der Hund in der Hundeschule mal nicht gleich kommt:
"Du mußt Dich interessanter für Deinen Hund machen!" Auch so ein tolles Schlagwort von meistens ziemlich ahnungslosen Trainern und Hundehaltern, die sich gerne wichtig machen. Mir hat den Satz mal ein Agilitysportkollege und Trainer gesagt, als meine noch sehr junge und wild herumtobende Thora nicht auf mein Rufen geachtet hat. Ich hab ihn mitleidig angesehen (schließlich war Thoras Gehorsam für einen Hund dieses Alters schon ungewöhnlich gut) und hab ihr halt noch 5 Minuten gegönnt, bis ich sie dann in einem ruhigeren Moment erneut gerufen hab....
Fazit: Thora wurde - trotzdem ich mich so gut wie nie "interessant" für sie gemacht hatte (das war ich nämlich - wahrscheinlich wegen unserer guter Bindung - schon von Haus aus) - zu einem der erfolgreichsten Hunde der öst. Agilitygeschichte mit einem zusätzlich hervorragenden Alltagsgehorsam, der Hund meines Sportkollegen mit WM-Ambitionen kam nie über die LK2 hinaus.
Was ich damit sagen will: wenn Hunde in der Hundeschule von klein auf nur lernen, daß ihr Hundehalter ein ganzes Feuerwerk an Gehüpfe und Gejohle abbrennt, damit der kleine Wauz auch nur mal einen Blick riskiert, was soll den Hund dann noch animieren, von Haus aus etwas mehr auf seinen Menschen zu achten? Wie soll ein Hund Ruhe und ausgeglichenes Verhalten lernen können, wenn jedwede Bestärkung im Training auf höchstem emotionalen, geschmacklichen und beutebezogenem Niveau stattfindet. Die Erwartungshaltung solch herausragender Bestärkungen wird so manchen Hund zu einem diese ungeduldig erwartenden, zappelnden Etwas machen, daß sich vor lauter Begeisterung förmlich überschlägt und nicht mehr zur Ruhe kommen kann.
Leute, lest meine Signatur. Und erkennt die Wahrheit in diesen - leider nicht von mir stammenden - Worten.
LG, Andy