Also ich muss DOJO2 schon stark recht geben.
Ich hatte auf der Uni das Fach Wildökologie in der Forst- und Jagdwirtschaft, der Vortragende war absolut kein Jäger und wir haben dort allerhand Fürs und Wieders gehört. Und so leicht wie sich das scheinbar die meisten Menschen vorstellen ist das ganz und garnicht!!!
Es gibt da sehr viele Konflikte und zwar nicht nur mit den Jägern.
Vorallem von Deutschland haben wir in der Vorlesung einiges gehört, unter anderem umfangreich und sinnvolle Umfragen in der Bevölkerung. Dabei wurden einige Gebiete zu Vergleichen herangezogen so etwa die bereits erwähnte Wolfsregion um Lausitz, Dresden(Stadt in der Nähe), Brandenburg(Vergleichbares Gebiet wie in der Wolfsregion, allerdings noch ohne Wölfen), Freiburg(Stadt weit von Lausitz entfernt).
In der Wolfsregion war die Streuung wie die Einstellung der Bewohner gegenüber den Wölfen ist, schon ein mal sehr breit gestreut im Vergleich zu den anderen Regionen.
Natürlich war überall die Meinung dass Wölfe in "unsere" Kulturlandschaft gehören, dass sie die Landschaft bereichern,...
Bei der Frage wie sich der Bestand in Zukunft entwickeln solle meinten die Gebiete wo es noch keine oder kaum Wölfe gibt es sollen mehr werden, im der Wolfregion war jedoch die Meinung es soll so bleiben wie es jetzt ist, also schon genügend Wölfe da.
Quer durch die Bank wurde der Wolf als tolerierbar in der heutigen Kulturlandschaft angesehen, ein geringerer Anteil meinte dass sie biologisch notwendig wären.
Eine Aussetzung wurde auch wieder vorallem von den Gebieten am meisten befürwortet wo es kein Wölfe gibt bzw. die Stadtgebiete, in der Wolfregion war die Meinung in etwa 50:50.
Der Großteil der Befragten empfand eine Distanz von 1-100km zum Wohnort als tolerierbar(in Österreich gibt es ja kaum mehr so große Abstände zwischen den einzelnen Ortschaften!!!).
Nur ein geringer Anteil der Befragten machte sich um seine Kinder sorgen.
Allerdings hatten im Schnitt 60% der Befragten auch keine Kinder, und das Kinderalter des Großteiles der Befragten mit Kind, war über 6 hautpsächlich aber 7-16 Jahre(eine höhere Altersangabe gab es bei der Umfrage nicht).
Für Hybriden zwischen Hund und Wolf hatte kaum einer was über, dies wäre für die meisten Gebiete sogar schlimmer als das Töten von Hund oder Katz,

stimmt mich schon sehr nachdenklich.
Vorallem in der Wolfsregion waren die Befragten dafür dass die Landwirte zu 100% für ihre gerissenen Nutztiere entschädigt werden sollen, der Großteil antwortete jedoch mit teilweise.
Und wie soll es anders sein, die Hauptmasse der Befragten stimmte bei der Frage wie weit Jäger für gerissene Wildtiere entschädigt werden sollen mit nein, nie, von der Menge her ca. die Hälfte von den "nein, nie -Leuten" stimmte für "in Ausnahmefällen", und den Rest könnt ihr euch ja denken.
Also wenn da kein Hass, Intoleranz und Bosheit dahinter steht, vielleicht sogar Neid.
Jetzt wirds aber lustig. Die Frage wer für Entschädigungszahlungen aufkommen soll.
Natürlich die EU!! An 2ter Stelle der Staat, dann Naturschutzorganisationen,...
Jetzt wirds aber noch lustiger!! Wie viel Geld wären sie bereit jährlich für den Schutz von Wölfen in Deutschland zu spenden?
Ihr habt es erraten, schon beinahe 100% antworteten mit nichts, vorallem in der Wolfsregion war das die Aussage. Mit bis zu 10 €/Jahr haben sich dann auch noch ein paar gefunden.
Dann gabs auch noch eine Vergleichsbefragung Leute von der vorigen Befragung-Jägerumfrage.
Beurteilung des vorhanden Lebensraumes, Bevölkerung sagt für stabile Populationen geeignet, Jäger sagen für Einzeltiere(dem würde ich auch voll und ganz zustimmen

) bis garnicht geeignet.
Beide "Parteien" hielten den Wolf hauptsächlich für als tolerierbar.
Natürlich war die Einstellung über Aussetzungen bei den Jägern eher in Richtung "keine Unterstützung".
Die Akzeptanz für verschiedene Szenarien von Wolfsverhalten(töten Nutztiere, töten Haustiere,...) war bei beiden "Parteien" annähernd gleich.
Zu rund 90% besteht der Mageninhalt eines Wolfes aus Schalenwild, rund 5% machen Pferde, Schafe,..Haustiere aus und der Rest ca. 3%(%-Angaben sind jetzt nur Überschlagsweise +- 1,5 %) sind Feldhasen, Mäuse,...
In Österreich wurde eine Befragung von 24 Interessensvertreten der Jagd(Landesjägermeister, Wildökologen, Förster, Berufsjäger) in Bezug auf den Wolf befragt.
Einstellung zur Einwanderung von Wölfen nach Österreich. Wurde hauptsächlich mit Unterstützung oder zumindest mit Toleranz beantwortet, kaum einer mit negativer Einstellung.
Jetzt die Frage warum sich Österreich nicht als Lebensraum für Wölfe eigent:
Die meisten Jagdfunktionäre waren der Meinung dass dies Probleme für den Wolf ergeben würde, Berufsjäger/Förster und Wildökologen sahen eher Konflikte mit den Menschen.
Nun die Frage ob der Wolf helfen könnte die Wildschweine zu dezimieren:
20% stimmten mit ja, 40% mit nein und 40% gaben keine Antwort.
Aus der Mageninhaltsanalyse lässt sich feststellen dass rund 20% der Beute Schwarzwild(Wildschweine) ist, also doch weit weniger als Reh-(40%) und Rotwild(30%).
Als Schutz von Weidetieren vor Wölfen wurden besonder die Hunde als positiv, an zweiter Stelle Zäune und an dritter Stelle Hirten bewertet.
Diese Methode der Präventivmassnahmen wurde vorallem in der Schweiz schon mit sseehrr guten Erfolgen erprobt.
Zurück zur Befragung. So ziemlich alle der drei vorhin genannten Berufsgruppen(Berufsjäger/Förster,..) sahen die größte negative Auswirkung durch Wölfe in der Nutztierhaltung.
Soviel zu dieser Befragung.
Weiters wurde in Deutschland eine Habitatanalyse für Wölfe in Bayern durchgeführt, was dabei genau heraus kam weis ich zwar nicht, aber ich kann euch mal einige der Punkte aufzählen die starken Einfluss auf das Endergebnis nehmen:
Bevölkerungsdichte
Waldanteil
Straßendichte!!!
Schalenwildstrecke(dadurch lässt sich nämlich auf die Schalenwilddichte schliessen, denn der Abschuss für Reh,... ist mit einem genauen Plan geregelt dh. da darf nicht willkürlich abgeballert werden wie die meisten wahrscheinlich denken)
ökologische Habitateignung
"Schafdichte"
Autobahnnetz!!!
Und im Endeffekt siehts da mit optimalen Lebensräumen in Deutschland nicht gerade rosig aus, dann überlegt euch mal wies in Österreich ausschauen würde.
Ständiger Kontakt mit Menschen führt dazu dass sie ihre Scheue verlieren und somit ist die Bevölkerung und vorallem deren Vieh und Haustiere stark bedroht. Menschen die in der Stadt wohnen machen sich über sowas kaum Gedanken.
Und es kommen sicher mehr als genug Wölfe durch Verkehrsunfälle um, denn aus eigener Erfahrung musste ich mit Bedauern feststellen dass viele Autofahrer nach einem Wildunfall entweder gleich weiter fahren ohne stehen zu bleiben, oder nur aussteigen, schaun ob am Auto alles passt und dann weiter fahren. Somit wissen sie nicht einmal was sie überfahren haben.
Wenn ein Stück Wild überlebt und davon läuft, erleidet es dann meist qualvolle Schmerzen bis es letztenendes seinen Verletzungen erliegt.
Aber es gibt auch andere Fälle, wo Rehe bsp. durch einen Unfall einen Teil ihres Beines verlieren und dann mit dem "Stummel" davon hupfen, vereinzelt kommt es vor dass solche Tiere auch überleben und die Wunde verheilt. Aber der Weg bis zum Verheilen ist mit Sicherheit kein angenehmer.
Weiters sind Wölfe Rudeltiere, was einen entsprechenden Lebensraum erfordert, bis lang konnte man Wölfe in Österreich höchstens als Einzeltiere antreffen und das wird sich in nächster Zeit sicher auch nicht ändern.
Tretten Wölfe als Rudel auf, stellen sie sehr wohl eine große Gefahr da, ein Mensch ist dann genauso eine leichte oder sogar noch leichtere Beute als ein Feldhase.
Bezüglich Jäger, natürlich gibts da schwarze Schafe, die gibts überall.
Aber es muss auch klar sein dass die Bevölkerung nur von den schwarzen Schafen hört, denn über den normalen guten braven Jäger, wer soll denn da was über den in die Zeitung oder in den Nachrichten bringen, is ja stink langweilig das interessiert ja keinen. Wenn sich der die Mühe macht das Wild im Winter zu füttern, versucht eine Artenvielfalt zu erhalten, Maßnahmen setzt um Wildschäden in der Land- und Forstwirtschaft gering zu halten, denn die muss er zu einem gewissen Anteil zahlen, verunglücktes Wild bergen muss, in der Nacht obs stürmt oder schneit sich mit seinem Schweisshund auf die Suche nach dem angefahrenen Wild macht um es von seinen Qualen zu erlösen,....
Man muss immer das Ganze betrachten und nicht nur das Negative.
Und noch was zu den Bären, die habens auch nicht leicht. Der "Bestand" in Österreich ist rückläufig weil soviele 2-3 jährige Bären verschwinden, und wohl kaum durch die Jäger denn die wollen wenn schon einen großen Bären im Zimmer stehen haben, zumindest ist das ja die Meinung der Bevölkerung das Jäger reine Lustmörder sind die möglichst große Trophäen haben wollen. Und wenn ein Jäger einen Bären schiesst dann wirds spätestens im Wirzhaus ja wohl jeder wissen oder?
Vermutungen bestehen dass dadurch dass die männlichen Bären im Alter von etwa 2-3 Jahren mit ihren weiträumigen Wanderungen beginnen, entweder auswandern aus Österreich(so klein wie es ist sind hier Bären sowieso nur auf der Durchreise), oder dass sie auf ihren Wanderungen umkommen, durch Verkehrsunfälle,... aber in Österreich wie gesagt wohl eher kaum durch einen Jäger. Meines Wissens wurde in Österreich erst ein Bär nachweislich durch einen Jäger illegal getötet.
Würde man Landwirten für ihre gerissenen Nutztiere kein Geld geben, was glaubt ihr wie die reagieren würden. Und genauso könnt ihr euch die Lage von Jägern vorstellen. Die müssen sie auch füttern und behüten, zwar nicht so intensiv wie Landwirte, allerdings muss der Jäger auch dafür zahlen dass er das überhaupt darf und weiters muss er auch für einen gewissen Anteil an Schäden durch sein Wild aufkommen. Es ist auch zu berücksichtigen dass ein Jäger ja nicht einfach schiessen darf was im vor die Büchse läuft, dass ist großteils mit Alter, Geschlecht, Anzahl, Wildart,... geregelt. Nun überlege man dass alle paar Monate oder vielleicht sogar öfter in einem Jagdrevier ein Reh oder ein Hirsch durch einen Zusammenstoss mit einem Auto umkommt, soviele Wildtiere sind dann nichtmehr im Revier(natürlich ist das Gebietsweise stark variierend). Verunfalltes Wild wird nämlich im Abschussplan vermerkt und kann somit nicht mehr geschossen werden und das Fleisch kann man natürlich auch nicht mehr verwenden.
Mein Schlussresume, man darf nicht alles glauben was man von den Medien hört. Und man muss sich viel mehr Gedanken über Wiederansiedelung, Lebensraumeignung,... machen als was man glaubt. Nicht umsonst gibt es dafür Spezialisten.
Und Raubwild kann sehr wohl zum jagdlichen Zweck sein, allerdings ist es ein sehr langer und steiniger Weg bis man dieses Ziel erreicht hat.