Blut sollte man sicher sehen können

Die Rettungsleute haben zu ihr gesagt, dass sie nicht mitaussteigen darf (am Anfang) wenn ein ganz schwerer Unfall ist, ich glaub schon, dass man da gut vorbereitet wird
Sie geht aber total auf darin, die Leute sind so toll, lernen mit ihr viel, zeigen ihr viel und ich glaube, dass es schon was tolles ist
Man muss halt in die Rettungsorgas passen. Es sind dort recht viele eigenbrötlerische Leute. Klassisches Gesundheitssystem. Der Dienstälteste hat immer recht, auch wenn er nicht mehr auf dem Stand der ERC-Richtlinien ist.
Angfressen ist man sowieso immer, herumschimpfen nach möglichkeit rund um die Uhr und je ordinärer desto besser. Rülpsen und Furzen gehört zum guten Ton und ist Teil der sozialen Interaktion. Man kann dem andren auch gerne dazu gratulieren oder seine Bewunderung mit einem ordinären passenden Spruch kundtun.
Als Frau ist es beim Rettungsdienst einerseits cool, weil man automatisch im mittelpunkt steht und man viel Nachsicht genießt und sich auch mehr erlauben kann. Es ist fast unmöglich nicht umworben zu werden (ich wohne seit 1,5 Jahren mit so einem Werber zusammen

). Man darf sich - je nach Team - immer aussuchen was man macht. Wer freiwillig den harten weg geht, genießt schnell viel ansehen. Wer seinen "Brustbonus" ausnutzt wird schnell belächelt.
Ich bin ehrenamtlich Fahrerin und Rettungssanitäterin beim ASB . Nachdem ich das nun schon 2 Jahre mache, möchte ich mich im September richtung Ärztefunkdienst und Leichenbeschau weiterbilden.
Die "Arbeit auf der Straße" ist mir zu langweilig. Zu schweren Verkehrsunfällen kommt man nur durch Zufall. Ansonsten sind Krankentransporte das Tagwerk. Zwar bemüht sich die Leitstelle, den ehrenamtlichen Kollegen etwas "Action" zukommen zu lassen, aber woher nehmen, wenns nix gibt.
Ich hab meine 160 Std Praxis quasi im Pflegeheim auf der Bettenstation verbracht.
Gute Action gibts auf Ambulanzdiensten, die von den Bezirksgruppen betreut werden. DIe Gruppe 915 - in der ich auch bin - betreut Hanappistadion und Stadthalle. Tokio-Hotel Konzerte oder das Donauinselfest (Gruppe Donaustadt, wenn ich nicht irre) sind da recht brauchbar.
Wer zum Rettunsdienst will, muss sich in das System einfügen können. Nach dem Motto "Friss oder Stirb" - also nimms hin oder lass es bleiben. Man wird es nicht ändern können und man kann sich nur bemühen, sich seinen Komfort so zu richten, dass es einem Spaß macht. Also ein cooles Team suchen, ordentlich arbeiten, gscheit lernen, Weiterbilden, offen für Kritik sein, nicht haglich sein und ein derber Humor sind essentiell, würd ich sagen.
Der Durchschnittspatient wohnt im 5 Altbau-Stock ohne Lift mit enger Treppe, hat 130kg und weigert sich zu gehen weil er [hier irgend einen Grund einsetzen]. Der Tragsessel wiegt ca. 20kg.
Wer also bereit ist, 12 Std lang Leute hin und her zu schleppen (auch als Frau - obwohl viele Kollegen hier Kavaliere sind und es regelrecht verbieten), wird sicher gerne aufgenommen.
Es ist hart, aber spaßig

Ich bereuhe es keinen Tag und bin sehr froh, dass ich diese Erfahrungen alle gemacht habe (leider habe ich noch nie wirklich einem Menschen das Leben gerettet - aber ich bin vorbereitet und allzeit bereit!

)
@Einstellung der Ärzte; Würd ich nicht so drastisch sehen. Nachdem die Arbeitsbedingung für die Notärzte nicht die coolsten sind, versteh ich es manchmal schon, dass die rummosern - auch wenns natürlich sinnlos ist.
Und bei einem Schenkelhals kann ein Notarzt auch nicht mehr machen als Schmerzen stillen. Und das ist vielen notärzten eben lästig, weil das genauso ein NFS mit NKA (also Zusatzausbildung f. Medikamente) und NKV (ZA f. venösen Zugang) machen kann.
...
Meedy, hast schon überlegt in Richtung Therapiehunde zu gehen? oder evtl. mit alten Leuten spazieren gehen? Viele alte Leute sind sehr einsam
