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Gestern war ja wieder Tiere suchen ein Zuhause im WDR da wurde auch ein Bericht über das Verschwinden der Strassenhunde in Griechenland gezeigt.
Ein Auszug aus der Sendung:
Tierschutz vor den Olympischen Spielen in Athen
Von Cornelia Baumsteiger
Die Olympischen Spiele in Athen haben bei Tierschützern und Tierfreunden in Europa und Amerika für viel Zündstoff gesorgt. Sie sorgen sich um die vielen Straßentiere in Athen und an den anderen Olympischen Stätten. Was werden die Spiele für die Streuner bedeuten? Welches Schicksal droht den herrenlosen Tieren, wenn die Griechen ihre Städte herausputzen?
Die Tierschützer haben den Verdacht, dass die Stadt mit Massenvergiftungen das Problem lösen will. Schließlich hatten die Behörden zunächst saubere Straßen versprochen und Masseneinschläferungen angekündigt. Die offiziellen Verlautbarungen bestreiten das heute. Man habe zahlreiche Plätze in Kliniken, bei Tierärzten und Tierpensionen angemietet, um dort die Tiere zu impfen, zu kastrieren und bis zum Ende der Spiele unterzubringen. Dann sollen sie zur Adoption freigegeben werden. Die Straßenhunde, die sich nicht vermitteln lassen, werde man nach dem Ende der Spiele wieder an ihre alten Plätze zurückbringen. Für dieses Programm sei eine Summe von 1,8 Millionen Euro bereitgestellt worden.
Unter dem Motto kein Blut für Olympia haben sich deutsche Tierschutzvereine zusammengetan, um den Streunern in Athen zu helfen. Ihr Plan, unter deutscher Leitung eine Station nach dem Konzept der Athener Bürgermeisterin einzurichten, wurde von der Stadtverwaltung abgelehnt. Angeführt von griechischen Veterinären entschied man sich gegen Mithilfe aus dem Ausland. Nun engagieren sich die deutschen Vereine in Athen in der Aufklärungsarbeit. 20.000 Flyer wurden verteilt und ein Büro mit Hotline eingerichtet. Mit Hilfe eines griechischen Vereins sollen Pflegestellen zur Verfügung gestellt und in einer Klinik Kastrationen durchgeführt werden. Leider wissen viele Athener Tierschützer davon nichts. Wie gut die Aufklärungsversuche der Deutschen in Athen ankommen ist zweifelhaft.
Es gibt auch auf griechischer Seite Versuche, eine Lösung zu finden. Der Leiter der Klinik und Auffangstation Skisto bei Piräus, Georg Katsautonis, bestätigt, dass er den Auftrag habe, kurz vor Beginn der Spiele Streuner aus der Umgebung einiger olympischen Stätten einzusammeln und in seiner Anlage unterzubringen. Doch die Athener Tierschützer trauen der offiziellen Version nicht. Um die große Menge der frei lebenden Tiere auf diese Weise unterzubringen, fehle die Zeit, das Geld und die Kapazität, meint die Rechtsanwältin Amalia Katsoula, eine Vertreterin der Athener Tierschützer.
Sicher ist, dass das einzige Athener Tierheim abgerissen wurde, um dem Bau eines Stadiums zu weichen. Deutsche Tierschützer beteiligten sich daran, die Tiere zu evakuieren. Denn um eine Alternative hatte die Stadt sich bisher nicht gekümmert.
Die beiden Kliniken, die Hunde aufnehmen sollen, stehen aber nicht etwa leer. In Skisto sitzen bereits zahlreiche Tiere, die von den Straßen der Gemeinden, die die Klinik finanzieren, aufgesammelt wurden. Auch sie sollen nach Kastration und abgeschlossener Behandlung vermittelt oder zurückgesetzt werden. Die zweite Klinik, die zu einem großen griechischen Tierschutzverein gehört, scheut die Öffentlichkeit und erteilte absolutes Drehverbot. Tierschützer können dort ihre Schützlinge behandeln und kastrieren lassen allerdings müssen sie dafür bezahlen, obwohl die Anlage von einigen großen Tierschutzvereinen finanziell unterstützt wird. In jedem Fall ist auch diese Klinik in Betrieb und nicht ausschließlich für Streuner des Olympia-Programms reserviert.
Wo also sind die vielen Hunde untergekommen, die bereits aus den Straßen Athens und Umgebung verschwanden? Wo sich früher ganze Rudel tummelten, findet man heute nur noch vereinzelte Tiere. Iris Roussis, eine junge Tierfreundin, die regelmäßig in einem heruntergekommenen Hafengebiet von Piräus, einem Schiffsfriedhof, Hunde füttert, kennt das Problem. Dort werden regelmäßig Hunde ausgesetzt. Das ist in Griechenland gesetzlich verboten und geschieht deshalb vor allem in abgelegenen Gegenden. Ob die Tiere da, wo man sie zurücklässt, Nahrung und Wasser finden, interessiert dabei nicht. Deshalb kümmert sich eine kleine Gruppe von Tierschützern um die Hunde im Hafengebiet. Sie werden gefüttert und wenn möglich eingefangen und vermittelt. Zwischenzeitlich lebte dort nur noch ein kleines Rudel von scheuen oder neu hinzugekommenen Hunden. Sie tauchten immer regelmäßig zur Fütterung auf. Doch dann fehlten plötzlich einige der Tiere. Später fanden die Tierschützer ihre Leichen. Bei einem sterbenden Hund konnte der Tierarzt eine Vergiftung nachweisen. Die Behörden machten dafür einzelne Tierhasser verantwortlich. Eines Tages kam dann eine ganze Gruppe nicht mehr. Wo früher 30 Tiere zum Fressen erschienen, blieb alles leer. Die Schiffsarbeiter, die die Tiere mochten und so weit betreuten, dass sie die Tierschützer verständigten, wenn eines verletzt oder krank war, sind wütend und besorgt. Niemand im Hafen glaubt, dass das Verschwinden so vieler Tiere die Tat Einzelner sei. Falls die Behörden die Tiere eingefangen haben sollten, um sie vorübergehend unterzubringen, warum dann in aller Heimlichkeit genau dort, wo die Schiffswracks den großen griechischen Fähren Platz machen sollen, die viele Besucher bringen werden? Nicht nur ausländische Tierschützer, sondern auch griechische Tierfreunde glauben an offiziell verordnete Vergiftungen. Zahlreiche ähnliche Fälle wie im Hafen von Piräus nähren den Verdacht.
Angela Flemming, Südafrikanerin griechischer Abstammung und in Athen bekannte Tierschutzaktivistin, glaubt, dass es sich tatsächlich um das Werk privater Täter handelt, wenn nur wenige vergiftete Tiere aufgefunden werden. So etwas habe es in Griechenland immer gegeben. Auch Gemeinden vergifteten immer wieder Streuner. Für die Täter sei es einfach, unentdeckt zu bleiben, daher bestehe für sie auch keine Notwendigkeit, die toten Tiere zu entfernen. Seit den Vorbereitungen für die Spiele aber habe sich die Lage verändert. Die Anzahl der Tötungen habe drastisch zugenommen, ginge aber nun heimlich vonstatten. Aus diesem Grund hat der Verein der Aktivistin auch sein Programm Einfangen, kastrieren und zurücksetzen beendet. Es habe keinen Sinn, die Tiere zu impfen, zu kastrieren und gesund zu pflegen, wenn sie kurz darauf vergiftet gefunden würden oder über Nacht spurlos verschwinden. Die vielen Gerüchte über Vergiftungen haben Schatten auf die Spiele geworfen.
Seit die griechischen Tierschützer lauthals Protest ankündigen und im Internet ihre Beschuldigungen verbreiten, bleibt das Echo in der internationalen Presse nicht aus. Bilder von toten Tieren und Artikel, die danach fragten, wie die griechische Gesellschaft mit ihren Tieren umgehe, störten erheblich das tadellose Image, das Athen vor den Spielen präsentieren wollte. Seit der offiziellen Verlautbarung aus dem Athener Rathaus, die Streuner würden während der Spiele nur umgesiedelt und in dieser Zeit ärztlich versorgt und kastriert, berichtet zwar die deutsche Presse positiver, vor Ort überzeugen diese Argumente jedoch nicht. Dort ist man der Meinung, die Pläne seien einfach nicht umsetzbar. Viel zu spät habe man nach einer Lösung gesucht und erst nachdem der Aufschrei gegen die Vergiftungen laut geworden sei. Dazu kommt, dass Athen aus vielen einzelnen Gemeinden besteht, die jede ihre eigene Politik vertritt. Es gibt aufgeklärte städtische Verwaltungen und solche, die ihre Haltung gegenüber den Tieren nicht modernisiert haben. Das gilt genauso für alle anderen olympischen Stätten.
Zurzeit erregt ein neuer Zwischenfall die Gemüter. Auf Kreta soll eine Gemeinde alle Straßentiere eingefangen und kurzerhand in einen Lkw gesperrt haben, weil das olympische Feuer durch den Ort getragen wurde. Viele Tiere sollen das viel zu enge Gefängnis nicht überlebt haben.
Angela Flemming sieht den Hintergrund für das Vorgehen der Behörden und zugleich das Misstrauen der Tierschützer in der grundsätzlichen Einstellung der Griechen zu Tieren. Man betrachte sie als Dinge, derer man sich entledigen kann, wann und wie es einem gefällt. Man kauft Welpen im Tiersupermarkt, hält sie auf Balkon oder Dach und setzt sie aus, sobald Probleme auftauchen. Dabei werden bevorzugt Orte ausgesucht, an denen die Tiere verdursten oder verhungern. Hauptsache, sie finden nicht zurück. Haustiere werden nicht kastriert und die jährlichen Würfe landen im Müll oder irgendwo im Karton an der Straße.
Das griechische Tierschutzgesetz verbietet es zwar, Tiere auszusetzen und zu töten und regelt auch den Umgang der Gemeinde mit Straßenhunden. Aber wo kein Kläger ist, da wird auch nicht gerichtet. Weiter verlangt das Gesetz den Bau eines Tierheims oder zumindest einer Klinik, in der die Tiere nach dem Einfangen kastriert und ärztlich versorgt werden. Gesund und mit Halsband gekennzeichnet sollen sie dann wieder auf die Straße gesetzt werden, wo sie sich nicht mehr vermehren können.