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Heizungen - Holzöfen, Wärmepumpen, Fernwärme, Strom... und Klimawandel, also auch Klimaanlagen... (2)
In einer volatilen Welt rückt die Energiesicherheit in den Vordergrund
Akute Bedrohungen und längerfristige Risiken machen Energie zu einer zentralen Frage der wirtschaftlichen und nationalen Sicherheit. Energie steht im Zentrum der aktuellen geopolitischen Spannungen, da zu den traditionellen Risiken für die Brennstoffversorgung nun auch Einschränkungen bei der Versorgung mit kritischen Rohstoffen hinzukommen. Der für moderne Volkswirtschaften so wichtige Stromsektor ist zudem zunehmend anfällig für Cyberangriffe, betriebliche und wetterbedingte Risiken. Die Entscheidungen der energiepolitischen Entscheidungsträger sind für die Bewältigung dieser Risiken maßgeblich, müssen jedoch einem komplexen Umfeld Rechnung tragen:
Geopolitische Fragilität geht einher mit eher niedrigen Ölpreisen. Die Lage ist geprägt von anhaltenden Konflikten und Instabilität bei gleichzeitig großen Angebotsüberschüssen am Ölmarkt.
Energiesicherheit und Bezahlbarkeit haben Priorität, verschiedene Länder verfolgen dabei aber unterschiedliche Strategien. Einige, darunter viele brennstoffimportierende Länder, sehen die Lösung in erneuerbaren Energien und Effizienzsteigerungen. Andere konzentrieren sich eher darauf, eine ausreichende Versorgung mit traditionellen Brennstoffen sicherzustellen.
Das internationale System ist brüchig und die Aussichten für den Handel sind ungewiss, der Energiehandel ist jedoch wichtiger denn je. Das reichliche Angebot an Öl, Solarpaneelen, Batterien und bald auch an Flüssigerdgas (LNG) schafft starke Anreize für Produzenten, internationale Märkte zu erschließen.
Die nationalen und internationalen Bemühungen zur Emissionsminderung sind weniger dynamisch als zuvor, doch die Klimarisiken nehmen zu. 2024 war das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen und das erste, in dem die globalen Temperaturen mehr als 1,5 Grad Celsius (°C) über dem vorindustriellen Niveau lagen.
Szenarien
Der World Energy Outlook 2025 (WEO 2025) umfasst drei Hauptszenarien. Zwei davon legen die Ausgangsbedingungen fest und untersuchen dann, wohin diese führen – das Current Policies Scenario (CPS) und das Stated Policies Scenario (STEPS). Ein drittes Szenario, das Net Zero Emissions by 2050 (NZE) Scenario, zeigt einen Weg zur Erreichung bestimmter energie- und klimabezogener Ziele auf.
Das Current Policies Scenario bietet eine Momentaufnahme der gegenwärtigen Politikmaßnahmen und Vorschriften und einen vorsichtigen Ausblick auf die Geschwindigkeit, mit der neue Energietechnologien eingeführt und in das Energiesystem integriert werden.
Das Stated Policies Scenario berücksichtigt ein breiteres Spektrum von Politikmaßnahmen. Es umfasst auch Vorhaben, die zwar formell vorgelegt, aber noch nicht verabschiedet wurden, sowie weitere offizielle Erklärungen zur zukünftigen strategischen Ausrichtung der Energiepolitik. Die Hindernisse für die Einführung neuer Technologien sind zwar niedriger als im CPS, es wird jedoch nicht davon ausgegangen, dass ehrgeizige Ziele erreicht werden.
Das Net Zero Emissions by 2050 Scenario verfolgt einen anderen Ansatz und beschreibt einen Pfad zur Verringerung der globalen energiebedingten Kohlendioxidemissionen (CO2-Emissionen) auf Netto-Null bis 2050, wobei anerkannt wird, dass jedes Land seinen eigenen Weg gehen wird.
Das elektrische Zeitalter ist angebrochen
Strom ist das Herzstück moderner Volkswirtschaften und der Strombedarf wächst in allen Szenarien deutlich schneller als der Gesamtenergieverbrauch. Im CPS und im STEPS steigt er bis 2035 um rd. 40 %, im NZE-Szenario um über 50 %. Der zunehmende Strombedarf verteilt sich – zu unterschiedlichen Anteilen – auf Haushaltsgeräte und Klimaanlagen, fortschrittliche Fertigungssektoren und sonstige Leichtindustrien, Elektromobilität, Rechenzentren und elektrische Heizsysteme. Investoren reagieren auf diesen Trend: Derzeit fließt bereits die Hälfte der weltweiten Energieinvestitionen in Stromerzeugung und die Elektrifizierung des Endverbrauchs. Mit dem steigenden Stromverbrauch werden die Strompreise zu einem wesentlichen Faktor für Verbraucher und politische Entscheidungsträger. Gegenwärtig hat Strom nur einen Anteil von 21 % am weltweiten Gesamt-Endenergieverbrauch. Zugleich ist Strom aber die Hauptenergiequelle für Sektoren, die über 40 % der Weltwirtschaft ausmachen, und die wichtigste Energiequelle der meisten privaten Haushalte. Dies unterstreicht die Bedeutung einer sicheren und erschwinglichen Stromversorgung ebenso wie die wirtschaftlichen und sozialen Kosten von Stromausfällen, wie sie 2025 in Chile und auf der Iberischen Halbinsel auftraten.
Der Ausbau der erneuerbaren Energien hält an
Erneuerbare Energien, allen voran die Photovoltaik (PV), wachsen in allen Szenarien schneller als jede andere wichtige Energiequelle, wenn auch in unterschiedlichem Tempo. Im CPS, in dem der Ausbau der erneuerbaren Energien langsamer voranschreitet, decken sie immer noch den Großteil des Anstiegs der Gesamtenergienachfrage, gefolgt von Erdgas und Öl, auch wenn der jährliche PV-Zubau im Stromsektor bis 2035 ungefähr beim heutigen Niveau von 540 GW stagniert. Im STEPS wird aufgrund politischer Kursänderungen davon ausgegangen, dass die installierten Kapazitäten an erneuerbaren Energien in den Vereinigten Staaten im Jahr 2035 um 30 % geringer sein werden als im letztjährigen Outlook unterstellt; auf globaler Ebene setzen erneuerbare Energien aber ihre rasche Expansion fort. Der Solarenergie-Boom geht mit einem robusten Wachstum bei Windkraft, Wasserkraft, Bioenergie, Geothermie und anderen Technologien sowie Steigerungen der Energieeffizienz einher. China ist weiterhin der größte Markt für erneuerbare Energien und macht in allen Szenarien in den kommenden zehn Jahren 45-60 % des weltweiten Ausbaus aus. Außerdem bleibt China der größte Hersteller der meisten erneuerbaren Technologien.
Die Kernenergie erlebt ein Comeback
Ein weiteres gemeinsames Element aller Szenarien ist die Renaissance der Kernenergie: Sowohl die Investitionen in traditionelle Großkraftwerke als auch in neuartige Anlagen, wie z. B. kleine modulare Reaktoren (Small Modular Reactors – SMRs), steigen. Mittlerweile beziehen mehr als 40 Länder Kernkraft in ihre Versorgungsstrategien ein und ergreifen Maßnahmen zur Entwicklung neuer Anlagen. Zusätzlich zur Wiederinbetriebnahme von Reaktoren, insbesondere in Japan, sind derzeit mehr als 70 GW an neuen Kernkraftkapazitäten im Bau – einer der stärksten Kapazitätszuwächse seit 30 Jahren. Innovation, Kostenkontrolle und eine bessere Transparenz künftiger Cashflows sind unerlässlich, um eine Diversifizierung in einem Sektor zu erreichen, der durch hohe Marktkonzentration gekennzeichnet ist, insbesondere beim Bau, bei der Uranproduktion und bei der Anreicherung. Technologieunternehmen unterstützen die Entstehung neuer Geschäftsmodelle durch Vereinbarungen und Interessenbekundungen für 30 GW an SMR-Kapazitäten, hauptsächlich zur Stromversorgung von Rechenzentren. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen wird die weltweite Kernkraftkapazität nach mehr als zwei Jahrzehnten der Stagnation bis 2035 um mindestens ein Drittel steigen.
Die Zukunft der Kohle wird in Asien entschieden
Mehr als bei jedem anderen Energieträger wird die Marktentwicklung der Kohle von einigen wenigen großen Schwellen- und Entwicklungsländern bestimmt. Der mit Abstand wichtigste Akteur ist dabei China, gefolgt von Indien, Indonesien und anderen südostasiatischen Ländern. Etwa die Hälfte des weltweiten Kohleverbrauchs wird für die Stromerzeugung in diesen Ländern verwendet. Dementsprechend hängt die künftige Kohlenachfrage in erheblichem Maße davon ab, wie sich der Strombedarf dieser Länder entwickelt, ob die derzeitige Dynamik bei erneuerbaren Energien anhält und ob die Preise für Gas weit genug gedrückt werden können, um an diesen Märkten gegen Kohle zu bestehen. Im STEPS beträgt der durchschnittliche Kapazitätszuwachs bei erneuerbaren Energien in den Schwellen- und Entwicklungsländern bis 2035 mehr als 600 GW pro Jahr. Dies reicht aus, um einen stetigen Rückgang der globalen Kohlenachfrage zu bewirken. Im NZE-Szenario ist dieser Trend noch stärker ausgeprägt. Das CPS zeigt hingegen, was passiert, wenn die Netzintegration mit großen Herausforderungen verbunden ist und der Ausbau der Solar- und Windenergie stagniert. In diesem Szenario ist die Kohlenachfrage höher und sinkt langsamer.