Zur Frage der besonderen Gefährlichkeit von Hunden auf Grund der Zugehörigkeit zu b

  • Ersteller Ersteller Josephinchen
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AW: Zur Frage der besonderen Gefährlichkeit von Hunden auf Grund der Zugehörigkeit zu b

Gefährliche Hunde



Bei der Gefahr, die von Hunden ausgeht, sind zwei Punkte zu unterscheiden:

1) die allgemeine Tiergefahr: sie ergibt sich aus der Unberechenbarkeit des nicht vernunft*begabten Tieres und gilt grundsätzlich für alle Tierarten in der Obhut des Menschen.

2) die spezielle Gefahr, die von einem Einzeltier ausgeht und die sich aus individuellen Beson*derheiten ergibt. Diese Besonderheiten können

a) individuelle Wesensmerkmale des Hundes

b) individuelle körperliche Merkmale des Hundes

c) individuelle Merkmale des Hundebesitzers bzw. Hundehalters

d) Unfallsituation

e) individuelle Merkmale des Geschädigten betreffen.

Der Gesetz- bzw. Verordnungsgeber geht davon aus, daß von Hunden bestimmter Rassen allein auf Grund ihrer Rassezugehörigkeit eine höhere Gefahr ausgeht als von Hunden anderer Rassen.

Das würde voraussetzen, daß in einem oder mehreren der oben genannten Punkte erfaßbare Unterschiede zwischen Hunden verschiedener Rassen bestehen.
 
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WRIGHT (1985) fand bei insgesamt 5711 Beißzwischenfällen mit Hunden insge*samt 16 schwerwiegende Vorfälle, bei denen der Hund mehrmals zubiß. Alle 16 Hunde waren Rüden und 10 hatten bereits vorher gebissen. Es waren dies fünf American Staffordshire Ter*rier, drei Bernhardiner und zwei Cockerspaniel. Alle Vorfälle spielten sich in unmittelbarer Nähe der Wohnung des Hundebesitzers ab.

Nach einer Untersuchung von PODBERSCEK and BLACKSHAW (1990) waren vor allem männliche Vertreter großer Hunderassen, vor allem Deutsche Schäferhunde, Bull*terrier, Pit Bull Terrier und Labradors an Bißverletzungen beteiligt. In den meisten Fällen wa*ren die Opfer dem Hund bekannt und der Vorfall geschah in unmittelbarer Umgebung des eigenen Territoriums. Streunende Hunde attackierten Menschen nur selten.

AVNER und BAKER (1991) werteten Bißverletzungen bei insgesamt 168 Kindern aus. In 35 Fällen waren Deutsche Schäferhunde beteiligt, in 33 Fällen Pit Bulls, weiters 9 Rottweiler, 7 Dobermann, 6 Terrier und 5 Huskies. Rüden bissen häufiger als Hündinnen und die meisten Bißverletzungen erfolgten durch dem Kind bekannte Hunde und im direkten Um*kreis des Wohnbereiches des Hundes.

BLACKSHAW (1991) fand in einer Auswertung von Daten einer Spezialklinik für Verhaltensstörungen in Australien bei 87 Hunden, die wegen Aggression gegen Menschen vorgestellt wurden 16% Bullterrier, 15% Deutsche Schäferhunde und Schäfermischlinge, 9,2% Hütehunde, 9,2% Terrier, 8% Labradors, je 5,7% Pudel und Cockerspaniel und 4,6% Rottweiler.

SHEWELL und NANCARROW (1991) untersuchten im Rahmen einer Fragebo*genaktion die Beteiligung von Rassen an Beißvorfällen. Aus insgesamt 107 retournierten Fra*gebögen zeigten sich am häufigsten beteiligt Staffordshire Bullterrier (15 Fälle), Jack Russel Terrier (13 Fälle), mittelgroße Mischlinge (10 Fälle) und Deutsche Schäferhunde (9 Fälle). In den meisten Fällen waren es Rüden, die bissen und es wurden vor allem die Besitzer der Hunde im Heim des Hundes gebissen.

Eine Polizeistatistik von HARTWIG (1990) über Schußwaffengebrauch zum Tö*ten von Hunden weist von insgesamt 34 Fällen, in denen Hunde wegen Schädigung von Men*schen oder Tieren mit der Schußwaffe getötet wurden, 16 Deutsche Schäferhunde, 1 Mischling, 5 Pit Bulls, 2 Rottweiler, 3 Boxer, 1 Wolfspitz, 1 Windhund, 2 Berner Sennenhunde, 1 Bernhardiner, 1 American Staffordshire Terrier und 1 Dogge aus.

REHAGE (1992) gibt aus einer Kleintierpraxis eine Übersicht über Hunde, die seit 1987 wegen Hyperaggressivität euthanasiert werden mußten. Es waren dies insgesamt: 5 Rottweiler, 4 Deutsche Schäferhunde, 2 Münsterländer, 7 rote Cockerspaniel, 5 Mischlinge, 1 Hovawart, 2 Chow Chow, 1 Pudel, 2 Dackel, 1 Deutsch Kurzhaar.

In einer Untersuchung über Bißunfälle mit Todesfolge (insgesamt 109 Fälle) (SACKS et al., 1996) waren in 24 Fällen Pitbullterrier, in 16 Fällen Rottweiler und in 10 Fällen Schäferhunde beteiligt. Eine andere entsprechende Studie, in der Bißvorfälle mit Todesfolge über einen Zeitraum von 1979 bis 1996 ausgewertet wurden (MMWR, 1997) weist 60 Pitbullterrier, 29 Rottweiler, 19 Schäferhunde, 14 Huskys, 12 Alaskan malamute, 8 Dobermann, 8 Chow Chow, 6 Doggen, 4 Bernhardiner, 4 Akita Inu, 14 Wolfhybriden, 11 Schäfermischlinge, 10 Pitbullmischlinge, 6 Husky Mischlinge, 3 Alaskan Malamute Mischlinge, 3 rottweiler mischlinge, 3 Chow Chow Mischlinge und 199 Mischlinge unbekannter Herkunft als beteiligte Rassen aus.

In einer an der Universität Utrecht durchgeführten Studie über angstbedingte Aggression bei Hunden (GALAC und KNOL, 1997) wurden insgesamt 284 Hunde, die im Zeitraum zwischen 1991 und 1994 wegen Verhaltensproblemen vorgestellt wurden, ausgewertet. Bei 26% wurde angstbedingte Aggression diagnostiziert. Am häufigsten waren mit insgesamt 18 Hunden Mischlinge vertreten, gefolgt von Golden Retrievern (9 Hunde), Rottweiler (6 Hunde) und Berner Sennenhunden (4 Hunde). Das aggressive Verhalten bestand in Knurren, Schnappen, Beißen mit angelegten Ohren, gesenktem Schwanz und geduckter Körperhaltung. Es richtete sich gegen Kinder und Erwachsene und wurde vor allem im Haus gezeigt, wenn ein Mensch sich dem Hund näherte oder ihn berührte.
 
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Eine besondere Gefährlichkeit bestimmter Rassen aufgrund rassetypischer Wesens*merkmale ist somit weder von der Definition des Wesens her noch auf der Basis bisheri*ger Untersuchungen über die Beteiligung bestimmter Rassen an Beißvorfällen zulässi*gerweise abzuleiten
 
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Auf die Frage "Warum beißt ein Hund" nennt FEDDERSEN-PETERSEN (1992b) vier Hauptgründe:

1) Aus Angst, aus sozialer Unsicherheit und aus unzureichender Umweltangepaßtheit. Die soziale Bindung an Artgenossen und/oder den Menschen ist unzureichend oder fehlt vollständig aufgrund nicht richtig ausgenützter Sozialisierungsphasen im Verlauf der Jugendentwicklung. Solche Hunde stellen die typischen Angstbeißer dar.

2) Sozial expansive Hunde, die in ungeklärten Rangverhältnissen mit ihren Menschen leben. Solche Hunde beißen besonders häufig Familienmitglieder im eigenen Territorium aber auch Fremde, die das Territorium betreten (z.B. Briefträger).

3) Hunde, die durch fehlgelenkte Zuchtauslese massive Fehlentwicklungen in ihrem Sozial*verhalten aufweisen. Die Autorin meint in diesem Zusammenhang wohl Hunde, die speziell für den Hundekampf gezüchtet worden sind, bzw. Hunde, die aufgrund ange*borener gnenetisch bedingter Ethopathien erhöhte Aggressivität aufweisen (siehe auch SCHLEGER, 1983). Die Autorin räumt aber auch ein, daß Hunde, die bewußt auf erhöhte Angriffsbereitschaft gezüchtet worden sind, in der Regel auch eine massiv gestörte Jugendentwicklung hinter sich haben, so daß es im Einzelfall schwierig bis unmöglich ist, angeborene von erworbenen Verhaltensdefekten zu trennen.

4) Hunde beißen, wenn sie im Zuge einer unbiologischen Ausbildung auf besonders aggressives Verhalten konditioniert worden sind. Ursächlich sind in diesen Fällen oft Hundehalter, die mit dem Hund imponieren wollen, beteiligt. Besonders gefährlich sind in diesem Zusammenhang Hunde, die eine Ausbildung zum Schutzdienst vorzeitig abgebrochen haben. Die besondere Gefährlichkeit solcher Hunde liegt wohl darin, daß sie zwar zu aggressivem Verhalten ermutigt worden sind, die Unterordnung, die aber bei jeder vollständigen Schutzhundeausbildung (ÖKV, 1990) obligater Bestandteil ist, nicht ausrei*chend trainiert wurde.
 
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Die Aggression, die von Pit-Hunden oft gezeigt wird, ist im allgemeinen entweder angelerntes oder vom Besitzer geduldetes Verhalten. Wer einen "Pit-Hund" besitzen möchte, aber sein aggressives Verhalten gegen andere Tiere fürchtet, braucht nur einen Welpen nehmen und je*den Ansatz von Aggression bestrafen und freundliches Verhalten zu loben. Diese Regel gilt aber grundsätzlich für alle Hunde. Auch der Pit Hund wird nur so aggressiv sein, wie sein Besitzer es zuläßt."




Habe nur einige Absätze hereinkopiert.
Es würde zum Verständinis beitragen, den link durchzulesen.
 
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