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Tierschützer-Prozess
Verdeckte Ermittlerin kommt erst am Mittwoch dran
13. Dezember 2010, 14:09
Befragung des "Chefs" von Danielle Duran dauerte länger als erwartet
Unter großem Besucherandrang wurde am Montag die Einvernahme der "verdeckten Ermittlerin" im Prozess gegen 13 Tierrechtler in Wiener Neustadt erwartet. "Danielle Durand" kam jedoch wegen einer Verzögerung nicht mehr zu Wort, sie ist für kommenden Mittwoch und Donnerstag erneut geladen. Auf den Zuschauerbänken waren unter anderem Verfassungsjurist Bernd Christian Funk und der Sicherheitssprecher der Grünen, Peter Pilz, zu sehen.
Die Verhandlung begann Montag früh mit heftigen Diskussionen. Als erster Zeuge war der sogenannte (polizeiliche) "Führer" der Polizeiinformantin geladen, wobei einmal mehr unterschiedliche Ansichten zur Prozessführung von Gericht und Verteidigung aneinanderprallten. Gestritten wurde vor allem über die uneingeschränkte Ausübung des Fragerechts durch die Anwälte. Zudem bezweifelten die Verteidiger, dass die übermittelten Berichte der verdeckten Ermittlerin vollständig waren, was für weitere Kritik sorgte.
"Abwehr gefährlicher Angriffe" sei Ziel der Ermittlungen gewesen
Die Entscheidung, dass mit einer verdeckten Ermittlerin gearbeitet werde, habe die Leitung der Soko Tierschutz getroffen, betonte der Zeuge. Das Motiv? "Ziel der verdeckten Ermittlungen war grundsätzlich die Abwehr gefährlicher Angriffe", erklärte der "Chef". Auf die Frage, was darunter zu verstehen sei, verwies er etwa auf vorangegangene Sachbeschädigungen.
Nach offiziellen Angaben dauerte der Einsatz der Informantin von Ende April/Anfang Mai 2007 bis Juli 2008. Ein von der Verteidigung vorgehaltenes E-Mail "Durands" an eine Mitarbeiterin des Vereins gegen Tierfabriken (VgT) vom September 2008 falle in eine Art Auslaufphase, argumentierte der Zeuge. Diese Phase habe nur dazu gedient, die Tarnung nicht auffliegen zu lassen, sie sei nicht mehr zum offiziellen Einsatz "Durands" zu zählen, meinte der Zeuge auf Nachfrage der Verteidigung.
Grundsätzlich sollte die VE Kontakt zu den Aktivisten herstellen, wofür sie zunächst zu den wöchentlichen Demos vor der Kleider Bauer-Filiale ging und dort behilflich war. "Wir haben gegen keinen bestimmten Verein und gegen keine bestimmte Gruppierung ermittelt", sagte er.
Einziger derartiger Einsatz in 20 Jahren
Die Soko-Leitung habe von jedem Einsatz einen Bericht erhalten und auch entschieden, ob dieser dann in den Akt aufgenommen wurde. Ob die Überwachungstätigkeit im Sinne der Gefahrenabwehr erfolgreich gewesen sei, könne er nicht beurteilen, so der Beamte. Erkenntnisse hinsichtlich Straftaten habe man nicht gewinnen können. In seiner 20-jährigen Berufslaufbahn habe es auch keinen anderen derartigen Einsatz gegeben, der so lange - zumindest eben 15 Monate - gedauert habe.
Das große Medieninteresse an "Danielle Durand" dürfte die Richterin offenbar befremdend gefunden haben: Sie erkundigte sich bei dem Zeugen, ob verdeckte Ermittlungen in anderen Fällen auch so großes mediales Interesse hervorgerufen hatten, und zitierte eingangs Zeitungsberichte der vergangenen Tage - insbesondere über das Verhältnis zwischen der VE und dem Zweitangeklagten. Dieser blieb auf Nachfrage der Richterin allerdings wortkarg: "Ich möchte zu dem Thema zum jetzigen Zeitpunkt mit ihnen keine Details besprechen", meinte er nur. (APA, red, derStandard.at)
Tierschützer-Prozess
Verdeckte Ermittlerin kommt erst am Mittwoch dran
13. Dezember 2010, 14:09
Befragung des "Chefs" von Danielle Duran dauerte länger als erwartet
Unter großem Besucherandrang wurde am Montag die Einvernahme der "verdeckten Ermittlerin" im Prozess gegen 13 Tierrechtler in Wiener Neustadt erwartet. "Danielle Durand" kam jedoch wegen einer Verzögerung nicht mehr zu Wort, sie ist für kommenden Mittwoch und Donnerstag erneut geladen. Auf den Zuschauerbänken waren unter anderem Verfassungsjurist Bernd Christian Funk und der Sicherheitssprecher der Grünen, Peter Pilz, zu sehen.
Die Verhandlung begann Montag früh mit heftigen Diskussionen. Als erster Zeuge war der sogenannte (polizeiliche) "Führer" der Polizeiinformantin geladen, wobei einmal mehr unterschiedliche Ansichten zur Prozessführung von Gericht und Verteidigung aneinanderprallten. Gestritten wurde vor allem über die uneingeschränkte Ausübung des Fragerechts durch die Anwälte. Zudem bezweifelten die Verteidiger, dass die übermittelten Berichte der verdeckten Ermittlerin vollständig waren, was für weitere Kritik sorgte.
"Abwehr gefährlicher Angriffe" sei Ziel der Ermittlungen gewesen
Die Entscheidung, dass mit einer verdeckten Ermittlerin gearbeitet werde, habe die Leitung der Soko Tierschutz getroffen, betonte der Zeuge. Das Motiv? "Ziel der verdeckten Ermittlungen war grundsätzlich die Abwehr gefährlicher Angriffe", erklärte der "Chef". Auf die Frage, was darunter zu verstehen sei, verwies er etwa auf vorangegangene Sachbeschädigungen.
Nach offiziellen Angaben dauerte der Einsatz der Informantin von Ende April/Anfang Mai 2007 bis Juli 2008. Ein von der Verteidigung vorgehaltenes E-Mail "Durands" an eine Mitarbeiterin des Vereins gegen Tierfabriken (VgT) vom September 2008 falle in eine Art Auslaufphase, argumentierte der Zeuge. Diese Phase habe nur dazu gedient, die Tarnung nicht auffliegen zu lassen, sie sei nicht mehr zum offiziellen Einsatz "Durands" zu zählen, meinte der Zeuge auf Nachfrage der Verteidigung.
Grundsätzlich sollte die VE Kontakt zu den Aktivisten herstellen, wofür sie zunächst zu den wöchentlichen Demos vor der Kleider Bauer-Filiale ging und dort behilflich war. "Wir haben gegen keinen bestimmten Verein und gegen keine bestimmte Gruppierung ermittelt", sagte er.
Einziger derartiger Einsatz in 20 Jahren
Die Soko-Leitung habe von jedem Einsatz einen Bericht erhalten und auch entschieden, ob dieser dann in den Akt aufgenommen wurde. Ob die Überwachungstätigkeit im Sinne der Gefahrenabwehr erfolgreich gewesen sei, könne er nicht beurteilen, so der Beamte. Erkenntnisse hinsichtlich Straftaten habe man nicht gewinnen können. In seiner 20-jährigen Berufslaufbahn habe es auch keinen anderen derartigen Einsatz gegeben, der so lange - zumindest eben 15 Monate - gedauert habe.
Das große Medieninteresse an "Danielle Durand" dürfte die Richterin offenbar befremdend gefunden haben: Sie erkundigte sich bei dem Zeugen, ob verdeckte Ermittlungen in anderen Fällen auch so großes mediales Interesse hervorgerufen hatten, und zitierte eingangs Zeitungsberichte der vergangenen Tage - insbesondere über das Verhältnis zwischen der VE und dem Zweitangeklagten. Dieser blieb auf Nachfrage der Richterin allerdings wortkarg: "Ich möchte zu dem Thema zum jetzigen Zeitpunkt mit ihnen keine Details besprechen", meinte er nur. (APA, red, derStandard.at)