Hallo!
Das unsichere Verhalten liegt wahrscheinlich in der langen Isolationsphase begründet.
Zur Leinenführigkeit:
Wenn Du Zeit hast, begib Dich an einen ruhigen, ablenkungsarmen Ort. Nimm Deinen Hund an Deine linke Seite, halte die Leine kurz, aber locker und sage "Bei mir" oder "Komm". Gehe an, bleib stehen, sobald er zieht und nimm ihn an der Leine wieder an Deine linke Seite zurück (ohne Rucken, sondern nur durch Zug). Lass die Leine wieder locker. Sag nochmals Dein Kommando. Gehe wieder an, bleib wieder stehen und nimm ihn zurück wenn er zieht. Erneut das Kommando, erneut angehen.
Wenn er auch nur eine Sekunde ruhig an Deiner Seite geht, Lob in leisen, hohen Tönen. Eventuell mit winzigen Wurststückchen oder ähnlich Leckerem verstärkt.
Übe das über Wochen und Monate mit sehr langsam steigender Ablenkung an unterschiedlichen Orten mindestens dreimal täglich.
Wenn Du gerade nicht Zeit hast: Sag explizit "Lauf" oder "lange Leine", gib ihm eineinhalb bis drei Meter Raum und lass ihn ziehen - dieses Kommando soll nämlich genau das bedeuten, "Du darfst jetzt ziehen".
Mit der Zeit verwendest Du dann situationsabhängig immer öfter "Bei mir" und immer seltener "Lauf", welches Du aber beibehalten kannst für Stellen, wo er schnuppern darf - also "Bei mir" bedeutet dann "Konzentriere Dich darauf, mir zu folgen" und "Lauf" bedeutet dann "Freizeit, Du darfst schnuppern und sogar ziehen".
Ich habe es mit meiner jetzt achteinhalb Monate alten Hündin von Anfang an so gehandhabt, es funktioniert wunderbar. Für eine Begleithundeprüfung und höhere Prüfungsklassen kommt dann noch das "Fuss" dazu - "Klebe an meiner linken Seite und himmel mich ständig an". Wirklich alltagstauglich ist das meiner Meinung nach nicht, "Bei mir" reicht völlig aus und kann auch auf längeren Spaziergängen verlangt werden, da es nicht ein derartiges Ausmaß an Konzentration erfordert.
An dem Problem Deines Hundes mit Streß (Haareaufstellen) solltest Du gesondert arbeiten, am Anfang übst Du ja das "Bei mir" ablenkungsfrei bis -arm. Konfrontiere Deinen Hund mit Unbekanntem, Personen, Tieren, Situationen. Bleibe Du ruhig, souverän und stark und lebe ihm vor, dass Du Dich der Situation annimmst. Sei ihm eine Orientierungsperson. Aber gehe immer nur so weit in eine Situation hinein, an einen Menschen heran, wie er sich gerade noch wohlfühlt, und belohne ihn für seine Noch-Ruhe. Überfordere ihn nicht, mach keine "Zwangstherapie", lass ihn an Dir wachsen.
Und feile am Gehorsam, laste ihn geistig aus: Guter Gehorsam macht vieles wett und er verleiht Deinem Dobi Selbstbewusstsein ("ich werde belohnt, denn ich habe etwas gut gemacht").
Viel Geduld und Freude!
Liebe Grüße