Buchempfehlung "Aggressionsverhalten des Hundes"

Herbst

Junior Knochen
Habe vom Buchautor James O'Heare (www.jamesoheare.com) voriges Jahr beim Hundesymbosium am Chiemsee einen Vortrag zu diesem Thema gehört.
James O'Heare beschreibt einen Therapievorschlag bei aggressiven Hunden ohne die Rangordnung zu korrigieren.
Sein Ansatz bei der Therapie ist das Verständnis zum Angstverhalten. Er beschreibt das gesteigerte Schutzbedürfnis ängstlicher Hunde mit "Kontroll-Komplex-Aggression".
Ich Glaube, dass durch diesen Gedankenansatz einige Misverständnisse in der Mensch-Hund-Beziehung, aber auch bei der Intepretation des Verhaltens und die daraus gewählten Erziehungsmassnahmen neu überdacht werden.
Ich hatte ein ähnliches AHA-Erlebnis, wie bei den Calming Signals von Turid Rugaas
lg
Herbst
 
Hi
herzlich willkommen hier.
Würd mich sehr dafür interresieren was du da beschreibst. Gibt es von diesem James O'Heare auch was zu lesen über dieses Thema?
Auch dein AHA- Erlbnis bei Calming Signals macht mich neugierig.
Würdest du es mir erzählen.
Die HP von James O'Heare hab ich mir schon angeschaut nur leider ist mein Englisch nicht so besonders und ich tu mir etwas schwer.
 
grüß dich Sonja1,

James O'Heare hat einige Bücher geschrieben.
Das von mir empfohlene Buch: "Aggressionsverhalten des Hundes" ist in deutscher Sprache im Animal Learn Verlag erschienen. (ISBN 3-936188-10-6) www.animal-learn.de

Der Autor beschreibt in diesem Buch Ursachen, die zu aggressiven Verhaltensweisen bei Hunden führen können.
Er unterscheidet und beschreibt verschiedene Formen der Aggression. Nach einer Analyse beschreibt er den Aufbau eines Trainingsplanes. Im Buch wird auf die wichtigen Entwicklungsschritte bei Welpen und auf Umgangsformen mit Erwachsenen Hunden eingegangen, damit es nicht zu Verhaltensauffälligkeiten kommt.

Was mir ganz besonders gefällt bei seinem Lösungsansatz, ist die Tatsache, dass ein ängstliches Tier Hilfe braucht. Diese Hilfe wird jedoch bei einer Rangordnungskorrektur meiner Meinung nach nicht gegeben.
lg
Herbst
 
Ansichten zur Rangordnung

Rangordnung ist eine im Rudel festgelegte Reihenfolge.

Ich bin nicht der Ansicht, dass diese nicht nur durch Kampf ausgefochten wird. Vielmehr ist die Erfahrung und das Familienverhältnis ein wichtiger Faktor.
-> Freiland-Beobachtungen David Mech (Link zu einer Übersetzung einer seiner Arbeiten: http://www.animal-learn.de/mech.php).

Die Rangordnung ist eine Orientierung für die Gruppenmitglieder.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sichere Führungspersönlichkeiten durch ihre Ruhe in einem Rudel oder einer Gruppe auffallen. Unruhige Tiere, die häufig in Streitereien verwickelt sind, bewerte ich als Rangnieder.
Da hat mir der Hinweis des erhöten Kontrollbedürfnisses von ängstlichen Tieren, wie es im Buch beschrieben ist, Antwort auf viele bisher für mich bestandenen Ungereimtheiten gegeben.
Einige von anderen Hundebesitzern als Dominant beschriebenen Hunde, verhalten sich ganz anders, sobald sie aus dem Umfeld herausgenommen werden, dass Angst- und Stressverhalten bei ihnen bewirkt.

lg
Herbst
 
Das klingt sehr interresant. Die HP von Animal-learn gehört zu meinen Favoriten werde gleich mal reinschauen wo ich dieses Buch bekommen kann.
Wenn du weitere gute Buchtipps auf Lager hast dann bitte her damit. Ich hab schon so viel gelesen aber was wirklich Neues schon lange nicht mehr.
l.G. Sonja
 
AHA-Erlebnis Calming Signals

Die Beschreibung Calming Signal -> Beschwichtigungsgesten zwischen Hunden - von Turid Rugaas sind für mich ein wichtiger Maßstab für mich bei der Beurteilung des Gesamtbefinden eines Hundes.
Hunde teilen anderen Individuen mit, wenn sie heftige Reize wahrnehmen. Sie sind bestrebt, solche Situationen zu vermeiden.
Sichere Tiere, die eine gute Sozialisierungsentwicklung hinter sich haben, können durch Beschwichtigungsgesten Konflikte mindern, oder sie sogar vermeiden.
Im Zusammenleben zwischen Mensch und Tier gibt Turid Rugaas Ratschläge in Buch und Video, wie man Tieren Stress vermindern kann. In einer solchen Mensch-Tierbeziehung ist es leichter Trainingserfolge zu erzielen. Seit ich die Erkenntnisse von Turid Rugaas und James O'Heare bei meinen Handlungen berücksichtige, bin ich seltener in Situtaionen, die vom Tier hinterfragt, oder gar boykottiert werden.
Die Zeit macht jetzt mehr Spass, weil ich mich nicht mehr mit Korrektur von unerwünschten Verhalten meines Hundes aufhalten muss.

lg Herbst
 
@herbst
Du rennst bei mir offene Türen ein! Die Bücher von Animal learn sind auch für mich sehr wertvoll, die Begegnung mit Clarissa v. Reinhard etc. prägend im Umgang mit meinem Hund!

lg
helga
 
Diese Calming Signals haben mir schon oft geholfen, vor allem das Gähnen setz ich oft bewußt ein. Ein Beispiel: Gestern hatten wir eine Großveranstaltung von unserem Betrieb aus. Da mein Hund bei Der Arbeit mit dabei ist, war er auch bei dieser Veranstaltung dabei. Am Rande: es war eine rein dienstliche mussmanhingehen Veranstaltung. Also 300 Leute, Blasmusik und alles in einem großen Saal. Streß pur für den Hund. Aber als die Musik anfing zu spielen gähnte ich meinen Hund einige male an.
Ohne einen Befehl geben zu müssen rollte er sich zu meinen Füssen zusammen und bis auf einige Blickkontakt zu mir, rührte er sich bis zum Schluß nicht mehr (über eine Stunde). Kein Baukenschlag und kein Geklatsche störten ihn. Das Gerede der hohen Herrn aus Wien sowieso nicht:rolleyes:
l.G.Sonja
 
Kontroll-Komplex-Aggression

Bei der Ansicht von James O'Heare, wo er eine bestimmte aggressive Verhaltensweisen mit Kontroll-Komplex-Aggression beschreibt, geht es mir wie gesagt, ähnlich wie nach den Erkenntnissen durch die Sprache des Friedens (Calming Signals). Durch meine dadurch veränderte Einstellung zur Aggression des Hundes (ob jetzt gegen mich gerichtet, oder gegen ein anderes Individuum) bin ich seltener in der Situation, dass der Hund meine Befehle nicht ausführt.
Sobald sich das Umfeld des Tieres so geändert hat, dass der Stresseinfluß gesunken ist (kann in einigen Fällen Monate dauern), gibt es keinen Anlass für den Hund, die für mich zuvor unerwünschten Handlungen zu zeigen.
Das Verhältnis zu Tieren hat sich seit einem Jahr für mich verändert. Es macht mehr Spass, wenn ich mir nicht immer überlegen muss, was das in der Rangordnung bedeutet. (z. B.: wer geht zuerst bei der Tür hinaus; wer bekommt zuerst zu essen; ....)
:p
Herbst
 
Aggression oder Angst

Mir liegt dieses Thema am Herzen, weil meiner Meinung nach häufig Erziehungsmaßnahmen bei Hunden aus einem falsch verstandenen Ansatz geschehen.
Ich beobachte häufig, dass ein Tier mit Trainingselementen der Unterordnung konfrontiert wird, das jedoch Hilfe bräuchte, wenn es Angst hat bzw. sich in einer Streßsitutaion befindet.
Gefährlich und trügerisch beurteile ich dann Aussagen wie "Jetzt bin ich Alpha"; "Jetzt weiß er wer der Herr ist", ...
Der Hund zeigt nachdem Ihm verboten wurde Angst zu zeigen, bzw. seinen Unmut zu äußern - ein Meideverhalten. Das Resultat: Der Hund kann Handlungen ohne Vorwahrnung setzen, weil die Kommunikation zwischen dem Hund und dem Besitzer unterbrochen bzw. unterbunden worden ist.
Diese Handlungen erscheinen mir immer intensiver, als die die ich dem Hund vorher durch Training abgewöhnt habe.
Möglicherweise, wären viele Hunde nicht im Tierschutzhaus, wenn sie nicht sinnlos untergeordnet worden wären!
PS:
Wenn man mir nicht zuhört, oder den Mund verbietet, dann hör ich auch auf mich anderen mitzuteilen. Hört der uangenehme Zustand nicht auf, dem ich ausgesetzt bin, dann greife ich zu stärkeren Mitteln (ohne auf mögliche Konsequenzen Rücksicht zu nehmen)

Herbst
 
ich finde es auch sehr wichtig genau nachzuforschen warum der hund aggressiv reagiert.ich habe vor 3 monaten einen ausgesprochen ängstlichen,knurrenden hund bekommen und mit jedem tag gewinnt sie an sicherheit und im gleichen maß steigt ihr soziales verhalten anderen hunden gegenüber.ich habe sie sehr genau beobachtet,viel gelesen und viele gute ratschläge von den fories bekommen.einmal ein dickes dankeschön an dieser stelle an alle,die mir mut gemacht haben und mir unterstützende ratschläge gaben.:)
ps:bald sind wir soweit,dass wir mit euch spazierengehen können!
 
hallo herbst!
magst du dich nicht mal kurz vorstellen? du bist ja trainer oder? wo arbeitest du denn??
ach ja, dem von dir geschriebenen stimme ich ganz zu! ;)
 
Zuletzt bearbeitet:
kurze Vorstellung

Danke für die Zustimmung.

einige Informationen zu mir

Habe als Wiener vor 20 Jahren den Weg in die Landwirtschaft gesucht. Dabei sammelte ich Erfahrungen als Schafhirte (hab über 500 Schafe gehütet), auf Betrieben mit Pferden, Hunden, Kühen, Maststieren und Zucht- und Mastschweinen.
Seit 1997 arbeite ich als techn. Assistent auf der Veterinärmed. Univ. Wien, am Institut für Tierhaltung und Tierschutz. Einer der Schwerpunkte ist dabei die Verhaltensbeobachtung (Ethologie) von landwirtschaftlichen Nutztieren.

1998 hab ich Kurse bei Martina Simmerer, TTouch Pferd, Hund absolviert.
1999, 2001 hab ich Kurse bei Reinhard Mantler (natural Horse Man Ship) absolviert.
Seit Frühjahr 2003 nehme ich am zweijährigen Lehrgang für Hundeerziehung und Verhaltensberatung bei Harald und Heidi Krisa teil.

Seit 1999 gebe ich meine Erfahrungen im Umgang mit Tieren in kleinen Gruppen bzw. beim Einzeltraining weiter. Hauptsächlich arbeite ich mit Pferde- und Hundebesitzer.

Meine Schwerpunkte sind:

- Bewußt machen von eigenen Emotionen
- Interpretation Körpersprache (Mensch und Tier)
- Möglichkeitender Verständigung (Kommunikation)
- Grenzen setzen; Unterschied: Führen bzw. Beherrschen
- Umgang mit unsicheren Tieren

lg
Herbst
 
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@herbst
Wieder einmal: warum bin ich nicht in Wien und Umgebung zu Hause?
Oder erwische ich bei mir daheim zielsicher nur die Flops unter den Hundeschulen?
Erste Stunde, erste Empfehlung: Leinenruck mit "Abflug" von ein paar Metern, weil "das schadt keinem Hund"......

lg und ich würde mich freuen, hier viel von deinen Erfahrungen zu lesen!

Helga
 
@ Helga

ich hab für dich eine gute Nachricht:

ich bin oft in Linz und Umgebung, hab dort einige Freunde. In dieser Ecke von Österreich ist mir die Vermittlung meiner Ansichten als erstes gelungen.
Als Neuling ohne Mitgliedschaft eines Vereins, bekomme ich halt eher Hunde, die nicht mehr viele Chancen haben. Gerade die, wo der Weg der Dominanz und Rangordnung lebensgefährlich geworden ist.
Würd mich freuen, wenn wir uns einmal auf ein Plauscherl treffen könnten. Werde das nächste Mal nach den Osterfeiertagen oben sein - genaues Wochenende steht noch nicht fest.

lg
Herbst
 
Beim Lehrgang für Hundeerziehung und Verhaltensberatung bei Heidi und Harald Krisa haben wir in einer Einheit über die Entwicklung des Gehirns bei Hunden gelernt.
Aus dieser Unterrichtseinheit, habe ich mitgenommen, dass die Natur bei Welpen während der Entwicklungsphase einen natürlicher "Schutz" vorsieht. Ich stell mir vereinfacht vor, dass der heranwachsende Hund dadurch nicht so leicht in die Situtaion kommt, in denen er mehr wahrnimmt, als er verarbeiten kann. Das Tier ist seiner Umwelt gewachsen. Während der Entwicklung wird die Umgebung spielerisch kennen gelernt. So kann es Erfolg und Misserfolg ausprobieren. Dies wäre bei einer Überforderung nicht in diesem Ausmaß möglich.
Bei Junghunden (nach dieser Schutzphase), die aus einer ruhigen Lage in einen neuen Wohnort vielen Reizen (Geruch, Bewegung, Geräusch, Geschmack, Temperatur,....) wechseln, ist es ratsam, durch Organisation diesen "Schutz als Filter" einzuplanen.
Ich setze den Hund (egal wie alt er ist) nur solchen Situationen ungeschützt aus, denen er gewachsen ist. Wann der Hund so weit ist, sehe ich an seinem ruhigen, ausgegliechenen Gesamterscheinungsbild. (Körperhaltung, Atem - vor allem Ausdruck der Augen)

Ich bin der Ansicht, dass Tiere mit einem Defizit während der wichtigen Prägungsphase, durch gutes Management der Hundehalter in jede Umgebung eingeführt werden können.
Durch Dominantes auftreten eines Hundeführers, wird in so einem Fall dem Hund jede Mitteilung an ihn verboten. Das muss für ein Tier ein enormer Stress sein.
Ich erkläre mir so einen Großteil von scheinbar nicht vorrhersehbaren "Katastrophen".

lg
Herbst
 
Zuletzt bearbeitet:
Ein Hund, der einmal den Ruf von Aggression an sich haften hat, hat es nicht leicht, diesen wieder los zu werden.
James O,Heare gibt im Buch aus seiner Erfahrung viel weiter.

:p Herbst
 
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