#22317
Anonym
Inaktiv

Huhu!

Puh, eine schwierige Sache.

Ersteinmal stößt mir der missverständliche Begriff der Dominanz etwas auf. Dominanz ist keine Eigenschaft wie eine Fellfarbe, sondern eine deutlich subtilere Angelegenheit. Dominanz wird immer bestimmt durch die agierenden oder eben nur reagierenden Beteiligten und das Umfeld, ist also relativ und immer auf die Situation bezogen: Wer trifft in welcher Situation die Entscheidungen, wer beschneidet wen wann in seiner Aktionsfreiheit? Und wer folgt den Entscheidungen und läßt sich begrenzen? Derselbe Hund kann sich in der einen Situation sehr dominant verhalten, in einer anderen aber völlig dominiert werden.
Insofern wäre es wichtig, Suny genauer kennen zu lernen, nicht nur ihre körpersprachlichen Signale während Hundebegegnungen, sondern auch ihr sonstiges Verhalten, ihren Alltag, ihre Lebensumstände. Das geht per Ferndiagnose schlecht, daher würde ich Dir den Besuch bei einem modernen Hundetrainer empfehlen, der verhaltenskundlich geschult ist, einen Hausbesuch bei Dir macht und ein genaues Profil von Suny erstellt – und Dir danach einen entsprechenden Trainingsplan erstellt.

Ich persönlich würde Suny nicht kastrieren lassen, zumindest nicht jetzt und nicht aus diesen Gründen. Dass eine Kastration vor Gesäugekrebs schützt, ist (Zitat Dr. Gansloßer) ein typischer Fall von einseitiger und fehlinterpretierter Statistik. Vor Gebärmutterkrebs schützt sie natürlich, aber ob die prophylaktische Entfernung sämtlicher krebsgefährdeter Organe eine akzeptable Lösung ist, wage ich anzuzweifeln 😉
Zudem kann der Schuss, was ihr Verhalten angeht, deutlich nach hinten losgehen. Suny zeigt offenbar ein sehr offensives Verhalten. Eine Kastration würde die körpereigene Produktion von Östrogen reduzieren, Suny würde also vermehrt Testosteron produzieren. Testosteron, das männliche Hormon, unterstützt selbstbewusstes, offensives Verhalten sogar noch. Deshalb raten kompetente Tierärzte und Verhaltenstrainer von der Kastration einer zu dominierendem, durchsetzungsfähigen und offensiven Verhalten neigenden Hündin eher ab – es ist gut möglich, dass sich ihr Verhalten danach noch verschlimmert und diese Verschlimmerung dann nicht mehr rückgängig zu machen ist.

Ganz wichtig wäre, dass Suny mit ihrem jetzigen Verhalten keine Erfolge mehr haben kann. Ich persönlich würde Hundebegegnungen auch meiden, bis die Ursache ihres Verhaltens genau abgeklärt und ein sinnvoller Trainingsplan erstellt ist. Da Suny in der Pubertät ist und offenbar ihre Grenzen austestet, wäre es auf jeden Fall sinnvoll, sie absolut konsequent zu behandeln: Tabu-Zonen im Haus, sämtliche Entscheidungen werden von Dir getroffen, beachte sie nur, wenn sie sich erwünscht verhält, Manipulationsverhalten und Aufdringlichkeit mit absoluter Ignoranz quittieren. Im Gegenzug sollte sie aber natürlich auch sinnvoll ausgelastet werden.

Die Leinenführigkeit solltet ihr ebenfalls üben, solange sie an der Leine zieht, wirst Du sie kaum bei Hundebegegnungen kontrollieren können. Die Idee, dem Hund nicht zu gestatten, seinen Menschen zu überholen, finde ich bei Hunden, die zu aggressivem Verhalten an der Leine neigen, grundsätzlich nicht schlecht. Lupold (gleich alt wie Suny) darf auch nur neben oder seitlich hinter mir auf der ihm zugewiesenen Seite gehen, mich nicht überholen, nicht einfach stehenbleiben oder die Seite wechseln, obwohl er kein aggressives Verhalten zeigt – das ist bei einem recht starken Rüden, der von einer zierlichen Frau geführt wird, schon praktisch 😉
Aber ich würde die Leinenführigkeit nicht mit Leinenrucken aufbauen, das kann schnell nach hinten losgehen und zu einem Vertrauensverlust führen und das Halsband sowie Hundebegegnungen mit negativen Verknüpfungen belegen.

Ich empfehle zu dem Thema das Buch “Hilfe, mein Hund zieht” von Turid Rugaas.
Natürlich funktioniert nicht bei jedem Hund jede Methode. Bei vielen Hunden reicht es, wenn Du abrupt stehen bleibst, sobald die Leine sich spannt, und erst dann weiter gehst, wenn der Hund dich ansieht und die Leine wieder locker ist. Dass das bei Suny so leicht geht, wage ich eher zu bezweifeln. Andere Hunde lernen die Leinenführigkeit erst, wenn Du jedesmal sofort die Richtung wechselst, sobald sie Dich überholen, und damit wieder vorne gehst – und so einen gewissen psychischen Druck bzw Stress aufbaust. Meine Terrierdame hat 5 Jahre wie wild an der Leine gezerrt und geht brav neben mir, seit ich sie sofort frontal mit dem Körper begrenze, sobald sie versucht mich zu überholen. Wichtig ist, dass Du die Leinenführigkeit immer übst, bei jedem Spaziergang. Jeder Versuch, Dich zu überholen, hat die Konsequenz, für die Du Dich entschieden hast. Mal ja, mal nein gibt es nicht. Das ist sehr mühsam, aber leider notwendig, wenn der Hund nicht von vorneherein so an die Leine gewöhnt wurde.
Im Gegenzug kannst Du das korrekte Gehen in gleicher Höhe an durchhängender Leine positiv verstärken, indem Du es klickst (sollte sie eingeclickert sein) oder ihr in dieser Position Leckerchen aus der Hand fütterst.
Das A und O ist, dass Dein Hund an der Leine auf Dich achtet und sich an Dir orientiert.

Bei einem Hund, der derzeit eher weniger kooperativ ist, würde ich auch überlegen, ihn vermehrt für sein Futter arbeiten zu lassen. Damit wird die Kooperation mit Dir einen ganz anderen Stellenwert erlangen und Suny kann es sich einfach nicht mehr leisten, Dich zu ignorieren.
Kann Suny apportieren? Dann würde ich mir einen Futterbeutel anschaffen und sie teilweise oder komplett für die nächste Zeit aus diesem Beutel ernähren. Das ist nicht als Strafe zu bewerten, sondern für die meisten Hunde ein echter Gewinn. Ihr Interesse wird dann auf den Spaziergängen viel mehr der kontrollierten “Jagd” auf ihren Beutel gelten als dem Raufen mit anderen Hunden. Im Magazin von Stadthunde.com findest Du einen ausführlicheren Artikel zu dem Thema. Verstau den Beutel aber sicher in einer Tasche, damit Suny nicht auf die Idee kommt, Dich zu belästigen oder den Beutel gegen andere zu verteidigen.

Ich wünsche Dir viel Erfolg und alles Gute, halt uns doch bitte auf dem Laufenden,
Julia

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